Stories -2-

       

3.Die etwas andere Strafarbeit

   

Wir schreiben den September des Jahres 2002, klein C. besucht gerade die sechste Klasse. Unglücklicherweise wurde er von seiner Musiklehrerin dazu verdonnert eine Strafarbeit anzufertigen und bekam die Aufgabe, ein Protokoll der vergangenen Musikstunde anzufertigen, indem er den Inhalt der Stunde wiedergeben sollte. Mürrisch machte er sich an die Arbeit und lieferte die nächste Woche folgenden Text bei Frau T., seiner Musiklehrerin ab:

   

Protokoll

     
"Am
25.9.2002 trug sich folgendes zu: 25 Augenpaare schauten gespannt in Richtung Tür und erwarteten voller Freude ihre Lieblingslehrerin, Frau T. Als sie dann endlich hereinkam wurde sie sogleich von der Klasse stürmisch begrüßt. Als dann auch noch dazu aufgerufen wurde, dass Lied „Freunde in der Runde“ zu singen, wurden alle von einer gigantischen Vorfreude gepackt. Während die Lieder „Matciek“, „Kinder dieser Erde“ und „Sascha“ gesungen wurden, verfiel die Klasse in eine melodische Verzückung, die aber leider Gottes nicht ohne Folgen blieb. Deshalb warnte uns unsere –noch großzügige- Frau T., dass es nach der zweiten Verwarnung eine Strafarbeit gebe.

Noch von der Harmonie geblendet griff S. nach C`s Ordner und schmiss ihn zu Boden. Als C. seinen Ordner wiederholte und danach auch S`s  Ordner zu Boden schmeißen wollte, zog er Frau T`s Aufmerksamkeit auf sich und bekam sofort eine Strafarbeit.

War das gerecht? Ich sage nein!

Denn erstens wurde auf den Zeugen J. R. nicht gehört, der versuchte auf sich aufmerksam zu machen. Und zweitens entspricht es nicht den Rechtsgrundsätzen „ in dubio pro reo“ (Im Zweifel für den Angeklagten) und „pacta sunt servanda“ (Verträge sind zu halten).

Die weitere Stunde verbrachten wir damit, die Intervalle zu üben, und die Umkehrung der Dreiklänge zu lernen."

C. K.

       
Frau T.,  sichtlich etwas pikiert von diesem offensiven Schriftgut, bewertete die Arbeit mit einer 4-5 und hinterließ folgende Bemerkungen auf der Rückseite des Protokolls:

     

"Es hat dir vermutlich Vergnügen bereitet, diesen Text zu verfassen. Aber er gleicht eher einem „Kommentar“ zur Stunde als einem Protokoll, das sachlich den Inhalt der Stunde wiederzugeben hat. Zudem lassen nicht Kind -bzw. altersgemäße Formulierungen auf die „Mithilfe“ eines Dritten schließen. Der Kommentar zur Stunde ist also nicht deine eigene „Leistung“, was bei der Bewertung mitberücksichtigt wurde."

(Jetzt folg eine Aufzählung dessen, was C. noch zum Thema der Stunde sagen sollte, welche ich dem Leser ersparen will)

"Das nächste Mal mal, wenn du ein Protokoll zu schreiben hast  –was ich dir nicht wünsche- lerne aus deinem ersten."


100% echt

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